Bewertungsreserven werden nicht mehr ausgeschüttet: Was Versicherte nach Inkrafttreten des LVRG jetzt beachten müssen.

Veröffentlicht 2014-10-17
Kommentar von Partner in Life S.A. zur Periode direkt nach dem LVRG

Vorwort Bundespräsident Joachim Gauck hat das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) unterzeichnet, die deutschen Lebensversicherer sollten nun für eine weiter anhaltende Niedrigzinsphase stabilisiert sein. Jedenfalls nach dem Dafürhalten der großen Koalition. Einen Teil der Kosten tragen die Kunden, indem sie auf den größten Teil der Bewertungsreserven verzichten müssen. Auch die Aktionäre werden sich wohl erst einmal auf magere Dividenden einstellen.

Aber ist nun alles gut? Ist die Lebensversicherung als Instrument der Altersvorsorge wieder das Mittel der Wahl? Ob das Vertrauen der Bürger in die Lebensversicherung als kombinierte Kapitalanlage und Risikoschutz wieder steigt, muss das Neugeschäft zeigen. Die bestehenden Verträge haben nach dem Inkrafttreten des LVRG ggf. einen spürbare Wertkorrektur erlitten - jetzt sollte es stabil, sicher - und je nach Garantiezins des Vertrages - mit vergleichsweise attraktiven Renditen weiter gehen.

Die gute Nachricht: Für einen Großteil der Verträge wird genau das der Fall sein. Insbesondere auch deshalb, weil bereits in den vergangenen Jahren ein paar Versicherer unbemerkt die Schlussanteile – eine weitere variable Größe neben den Bewertungsreserven – sukzessive abgeschmolzen haben.

Die Kehrseite der Medaille: Leider bleibt es für die nächsten Jahre dabei, dass eine große Zahl der Versicherungskunden die bereits seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten in ihre Verträge einzahlen, vor neuen Reduktionen stehen. Auch Versicherer die nicht erkennbar unter dramatischen Engpässen leiden, folgen nun mehr und mehr dem Beispiel der oben genannten Versicherer – sie reduzieren die Schlussanteile. Die sogenannte Sockel- bzw. Mindestbeteiligung und die Schlussanteile bleiben neben den durch Gewinne reduzierten Beiträgen die wesentlichen Variablen, die die Versicherungsgesellschaften auch in Zukunft heranziehen werden, um ihre Finanzlage zu stabilisieren und um die hohen Garantieverpflichtungen der Vergangenheit zu bedienen. Diese Auswirkungen können – wie wir zeigen werden – für den Einzelnen gewaltig und sehr überraschend sein.

Denn, das LVRG kann im Hinblick auf die Bewertungsreserven nur diejenigen Versicherer unterstützen, die nennenswerte BWR in ihren Bilanzen aufweisen. Diejenigen die nur geringe Reserven haben, können wenig ausgleichen. D.h. bleiben die Zinsen anhaltend niedrig, werden einige Versicherungsunternehmen nach wie vor mit angespannten finanziellen Verhältnissen umgehen müssen.

Hinweis:

Die nachfolgenden Daten aus Erfahrungswerten und den veröffentlichten Geschäftsberichten der Versicherungsgesellschaften dienen der Illustration und um näherungsweise eine Einschätzung zu ermöglichen. Die tatsächlichen Werte der einzelnen Verträge können deutlich davon abweichen. Die Gewinnanteile unterscheiden sich bei einem Versicherer von Vertrag zu Vertrag deutlich. Sie sind unter anderem abhängig vom Rechnungsverband, Tarif, Laufzeit, Höhe, vertraglicher Historie, und einigen Aspekten mehr.

Welche Kunden sind besonders betroffen?

  • Diejenigen, die einen konventionellen Vertrag – mit Garantiezins – haben und…
  • deren Vertragsbeginn vor dem 01.01.2004 liegt und…
  • dieser Vertrag läuft in den nächsten acht Jahren ab

Dies trifft schätzungsweise auf circa 50 Millionen deutscher Kapitallebens- bzw. Rentenversicherungen zu!

Kleine Reduktion große Wirkung

Wenn eine Reduktion der Schlussanteile am Beispiel der HDI gemäß Geschäftsbericht von 0,2 Prozent der Deckungsrückstellung zu einem Verlust von 25 Prozent der prognostizierten Ablaufleistung führt, wird erkennbar, wie aufmerksam die variablen Anteile am Policenguthaben (Schlussanteile , Sockelbeteiligung etc.) beobachtet und bewertet werden sollten.

Folgende Versicherer zeigten in der Summe aus Sockel und Schlussanteilen Ende 2013 noch die höchsten Werte:

Versicherer mit mehr als 3% Sockel und Schlussanteilen

Geschäftsplanauswertung 2013 Daten von Aktuariat RoKoCo GmbH, Interpretation Partner in Life S.A.

Welche Handlungsoptionen gibt es?

Versicherte, die

  • durch ihre jährliche Wertmitteilung erkennen, dass ihr Vertrag hohe Schlussanteile und/oder Sockelbeteiligungen hat, oder
  • einen Vertrag bei einer der oben genannten Gesellschaften besitzen und … deren Vertrag die oben genannten Kriterien erfüllt,

…sollten sich die Meinung eines unabhängigen Experten in Sachen Lebensversicherung einholen. Verbraucherzentralen und Policenhändler wie Partner in Life S.A. bieten eine umfassende Bewertung der individuellen Police an.

Tilgungsaussetzung und Rückdeckungsverträge

Schmilzt die Ablaufleistung von Jahr zu Jahr, so ist das für die Betroffenen nicht nur unerfreulich, sondern ein klares Warnsignal. Wer im Rahmen der Finanzierung oder der betrieblichen Zusage zur Altersvorsorge von einer bestimmten Ablaufleistung ausgegangen ist, sollte den Vertrag auf jeden Fall auf den Prüfstand stellen, da sonst unter Umständen eine Tilgungslücke entsteht. Mit einer professionellen Analyse kann ggf. wertvolle Zeit gewonnen werden, um qualifiziert einer ungünstigen Entwicklung zu begegnen.

Wer kürzt stark und mit hoher Wahrscheinlichkeit

Die obige Grafik zeigt unter anderem, dass auch Versicherer die über eine vergleichsweise komfortable Situation verfügen – also mittlere bis hohe Reserven aufweisen – in der Vergangenheit bereits umfangreich Schlussanteile gestrichen haben. Zum Beispiel die „Stuttgarter Lebensversicherung“. Somit schützen hohe Reserven alleine eben nicht vor einem Eingriff des Versicherers. Wenn bereits diese Versicherer Schlussüberschüsse kürzen, wie ungleich höher ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass Gesellschaften, die eine vergleichsweise schwache Reserve besitzen, auch nach Inkrafttreten des LVRGs weitere Reduktionen bei den variablen Anteilen der Policenguthaben ihrer Bestandskunden vornehmen?

Die nachfolgende Übersicht zeigen einige dieser Lebensversicherer im Vergleich zum Marktführer (rechts). Die Positionen wurden in Relation zur Deckungsrückstellung ermittelt.

Reserver-Ausstattung Lebensverischerer Ende 2013 im Vergleich zum Marktführer (rechts)

Geschäftsplanauswertung 2013 Daten von Aktuariat RoKoCo GmbH, Interpretation Partner in Life S.A.


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