Leserbrief zum Artikel der Wirtschaftswoche

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Leserbrief zum Artikel „Streit bei der Auszahlung: Wem gehören die Kursgewinne der Lebensversicherer? Eines ist unstrittig. Die Bewertungsreserven der Lebensversicherungsunternehmen sind Buchgewinne (oder –verluste), die zu einem bestimmten Stichtag betrachtet werden. Sie liegen nicht tatsächlich auf den Konten der Versicherer. Strittig ist, ob und wie Versicherte, deren Policen ablaufen oder die vorzeitig kündigen, an diesen Buchwerten beteiligt werden können. Bei dem von Gunnar Stark gewählten Beispiel wird allerdings der Versuch unternommen zu zeigen, wie sich ein Fisch im Wasser bewegt. Aber für das Modell soll der geneigte Betrachter sich das Wasser wegdenken. Anfänglich wird von einer Versicherung gesprochen. Gleich danach ist aber das Sterben verboten. Um welche Versicherung geht es aber nun, da das Sterben verboten ist? Um Glasbruch? Wenn es nämlich um eine Lebensversicherung ginge, die das Sterben wie der Fisch das Wasser benötigt, dann wäre das Beispiel wahrlich grotesk. Was bleibt ist dann ein reiner Sparvertrag - aber leider keine Versicherung. Behandelt man das Rechenbeispiel aber wie eine Versicherung und unterstellt man die Wirklichkeit von Kursschwankungen, so ergibt sich ein anderes Bild: Die beiden Brüder vereinbarten also eine Versicherung miteinander, weil sie erkannten, dass sie beide so viel besser für das Alter vorsorgen können. Wenn beide nach 30 Jahren noch leben würden, bekämen sie mit den 6,25% pro Jahr eine Rendite. Wenn aber nur einer überleben würde, profitiert der andere von der Einzahlung des Verstorbenen. Da sich die Brüder vertrauen, hatten Sie keine Sorge vor Tötungsdelikten. Somit würde sich nach dem Ableben eines Bruders das gesamte Guthaben bis zum Ablauf weiter verzinsen und eine Summe von 287.500 Euro erzielen. Über diese Summe würde der überlebende dann alleine verfügen und einen Gewinn erzielen, der mit einer Kapitalanlage mit vergleichbarer Sicherheit nicht annähernd zu erreichen ist. Als nun aber der bereits skizzierte Kündigungswunsch von Bernhard zur Sprache kam, lag der Kurs der Staatsanleihe bei 200 %. Anton wies auf die vereinbarte Laufzeit von 30 Jahren hin. Der Onkel und die Tante – beide im Verbraucherschutz aktiv - argumentierten an der Seite von Bernhard. Gemeinsam überzeugten sie Anton, dass ein Guthaben immer verfügbar und kündbar sein müsse und eine faire Beteiligung an Kursgewinnen erfolgen müsse. Bernhard bekam nach dem aktuellen Kurs 100.000 Euro zuzüglich aufgelaufener Zinsen von 62.500. Um das Begehren seines Bruders zu befriedigen, muss die Bundesanleihe um 37.500 Euro auf nunmehr 62.500 Euro reduziert werden. Die zukünftigen Zinsen fallen somit deutlich geringer aus. Anton führt nach der Kündigung von Bernhard seinen Vertrag bis Ablauf durch, und erhält dann insgesamt 101.563 Euro. Gemäß der ursprünglichen Versicherungsidee hätte er eigentlich 287.500 Euro - also fast das Dreifache bekommen sollen. Anton hat also durch die Diskussion um Fairness und weil ein Versicherungsvertrag als Sparvertrag missverstanden wurde über 180 Tausend Euro verloren. Fazit: Nur wenn, wie bei dem gewählten Beispiel nicht eine Versicherung bewertet werden soll, sondern ein Sparvertrag – ohne die Spezifika einer Versicherung zu berücksichtigen – kommt man zu dem publizierten Ergebnis. Bei korrekter Vorgehensweise kann gerade mit diesem Beispiel exakt das Gegenteil gezeigt werden: Die heutige Beteiligung an Bewertungsreserven schädigt die Mehrzahl der Kunden in unangemessener Höhe – nämlich jene, die ihren Vertrag wie vereinbart fortführen.

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