Lebensversicherung - legaler Betrug?

Veröffentlicht 2014-04-06

Das OLG Hamburg hat bereits 1983 entschieden, dass die Lebensversicherung als legaler Betrug bezeichnet werden darf. Die Begründung, des Gerichtes wollen wir an dieser Stelle beleuchten und ergänzen.

Es ist ausgesprochen wünschenswert zu wissen, was der sogenannte Todesfallschutz, der mit einer Lebensversicherung einhergeht, isoliert kostet. Im Kern haben Sie sich mit einer Lebensversicherung gegen drei Risiken gleichzeitig versichert.

1) Todesfallrisiko - Wenn Sie vor Vertragsende ableben, erhalten die Hinterbliebenen den vereinbarten Betrag.
2) Erlebensrisiko - Ja auch das ist ein Risiko, da man im Alter (meist Rentenalter, heute mit 67 Jahren) ausreichend Geld benötigt. Wenn Sie dieses Alter erreichen, erhalten Sie die Erlebensfallleistung, meist als Ablaufleistung bezeichnet.
3) Kapitalanlagerisiko - Die konventionellen Produkte mit Rechnungs- oder Garantiezins bieten ein sehr hohes Maß an Sicherheit und Stabilität und gewähren weitreichende Garantien.

Zum einen steht die Frage im Raum, ob Sie etwa, wenn Sie das Todesfallrisiko separat abschließen und von dem reinen Erlebensfallrisiko trennen, bessere Angebote finden würden. Zum anderen steht die Frage im Raum, ob es angebracht ist, die beiden Risiken Erlebensfall und Tod über Jahre hinweg in einem Vertrag in eine untrennbare Ehe zu schmieden. Die Antwort auf diese zweite Frage geben wir dem Artikel "Lebensversicherung versus private Rentenversicherung - wer gewinnt?".

Häufig wird das Urteil zitiert, um zu kolportieren, dass die beiden Risiken Erleben und Sterben nicht zusammen passen. Das sehen wir ganz und gar nicht so! Das Bremsen passt thematisch durchaus zum Gas geben. Um sterben zu können, ist es angemessen vorher gelebt zu haben. Die Idee einer gemischten Versicherung von Rat Arnoldi im Jahr 1827 war nicht von vornherein unsinnig, auch wenn wir, wie in diesem Artikel erläutert aus anderen Gründen davon abraten, mit einem Vertrag beides abzusichern.

Mit der Trennung lassen sich jedenfalls weniger leicht andere Kosten verstecken und verheimlichen. Das Eine ist, die Möglichkeit durch Intransparenz Kosten zu verstecken, das Andere ist, von Betrug zu sprechen. Wir halten das nicht für angemessen.

Gestatten Sie noch einen abschließenden Hinweis: Es wird auch deshalb von legalem Betrug gesprochen, weil die Versicherungswirtschaft sozusagen Hand in Hand mit dem Staat arbeiten soll. Die „Dummensteuer" bezeichnet die Verschwörungs-Theorie, wonach der Staat günstig Schulden macht und die Versicherer sich am Geld und den Zinsen der Kunden gütlich tut.

Zwei Aspekte

1) Polemik und Panikmache unter vorsätzlicher Ignoranz der tatsächlichen Gegebenheiten. Als Beispiel wollen wir hier anführen, dass sich der Wert der Anlageverordnung über Jahrzehnte hinweg bewährt hat. Viele Millionen Kunden haben Anlass zur Freude und genießen heute im Alter die verlässlichen Zahlungen und Guthaben – unter anderem auch aus sicheren Papieren wie deutschen Staatsanleihen, Kommunalobligationen und anderen Rentenpapieren.

2) Es ist gut und wünschenswert, dass die Parteien, Gesetzgebung, Regulierung (BaFin), Rechtsprechung, Ombudsmann, Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV), Verbraucherschutz, Bund der Versicherten und andere mit erfahrenen Experten fortlaufend das System überwachen und pflegen. Dabei sollten wir nicht übersehen, dass es bereits gut funktionierende Überwachungssysteme - und zuweilen bereits zu viele davon - gibt.

Ein Beispiel: Im Zuge der laufenden Diskussion um die neuen Solvenz-Kriterien und die IFRS-Bilanzierung lagen die Eigenkapitalanforderungen deutscher Lebensversicherungsgesellschaften und deren Sicherungsvermögen für griechische Staatsanleihen massiv niedriger als für die besten Deutschen Immobilien. Es ist wichtig, dass sich die Fachleute in solchen Fällen effektiv austauschen - ggf. auch in Form einer öffentlichen Diskussion. Damit wird Verschwörungs-Theorien der Boden entzogen.


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