Lebensversicherung kein Sparvertrag - warum der Vergleich hinkt!

Veröffentlicht 2014-05-12

Die Medien werden nicht müde, die Verzinsung von Lebensversicherungen zu kritisieren. Kosten und Transparenz werden diskutiert - der Vergleichsmaßstab ist fast immer ein Bank- oder Investmentprodukt.

Was übersehen wird: Es handelt sich um ein Versicherungsprodukt. Das entschuldigt gar nichts, erklärt aber manchmal - ja sogar häufig, warum es sich anders verhält.

Doch bevor es spannend wird, wie dieser Unterschied zu Ihrem Vorteil wirkt, einen Schritt zurück: Was macht eine Versicherung zu einer Versicherung?

Das grundlegende Versicherungsprinzip lautet: Ausgleich in der Zeit und in der Gemeinschaft. Je länger die Zeit und je größer die Gemeinschaft, umso besser.

Der Zweck: Existenzielle Risiken, die für den Einzelnen zu gravierend oder gar unmöglich sind, um sie alleine tragen zu können, werden auf viele Menschen und eine lange Zeit verteilt - und dadurch tragbar.

Was aber macht dieses Versicherungsprinzip bei der privaten Lebens- oder Rentenversicherung aus? Im Alter über (ausreichend) Geld zu verfügen? Wenn Sie der Meinung sind, Ihre Altersvorsorge sozusagen aus eigener Kraft finanzieren zu können, dann ist möglicherweise das Sparen oder Investieren (Bank, Investmentprodukte, Aktien, etc) die richtige Ergänzung zu etwaigen Ansprüchen aus der gesetzlichen Versorgung.

Die Versicherung besitzt hohe Anteile des Sparens - das ist nicht zu kritisieren, sondern gehört als unverzichtbares Element zu dieser Vertragsart. Die Versicherung ergibt sich daraus, indem Jene, die zum Eintritt des Falles der versichert wurde, Geld von Jenen zusätzlich bekommen, die ihn nicht erleben.

Beispiel: Sie schließen eine Hausratversicherung ab, für die Sie 500 Euro pro Jahr bezahlen. Versicherungssumme ist 100.000 Euro. Nach einem Jahr brennen das Haus und damit auch der Hausrat ab. Sie erhalten die 100.000 Euro ausbezahlt, hatten aber selbst nur 500 Euro bezahlt - Differenz 99.500 Euro. So lange Sie leben, können Sie nicht soviel Prämie bezahlen, wie Sie selbst als Auszahlung bekommen haben. Hier ist das Versicherungsprinzip offensichtlich. Aber eben auch der Preis, denn wenn Sie nach 20 Jahren der Beitragszahlung keinen einzigen Schaden hatten, haben Sie 10.000 Euro bezahlt, aber nichts ausgezahlt bekommen. Sie haben mit Ihren 10.000 Euro zur Regulierung des Schadens eines anderen beigetragen.

So ist das auch mit Ihrer Lebensversicherung. Ein Mensch schließt für sein Rentenalter in 30 Jahren eine Lebensversicherung ab. Nach 20 Jahren der Beitragszahlung stirbt er. So unschön das für den Betroffenen ist - das Problem, im Alter ausreichend Geld zu haben, ist nicht mehr vorhanden. Eine andere Person erlebt jedoch das Rentenalter und bekommt einen Teil dessen, was Sie für das Alter der Gemeinschaft eingezahlt haben, zu seinen eigenen Ersparnissen dazu.

Wer dieses wichtige Merkmal der Versicherung vergisst, läuft Gefahr, Populisten auf den Leim zu gehen. Es ist nicht zu kritisieren, dass Ihr Versicherungsbeitrag nach dem Bezahlen nicht mehr Ihr Geld, sondern Gemeinschaftsgeld ist. Der Hausratschaden könnte ja auch nicht allein aus Ihren Beiträgen bezahlt werden, er bedarf des Gemeinschaftsprinzips. Wer mit der Gemeinschaft nicht klar kommt, muss Bankprodukte für sein Alter beziehen.

Das klingt nun alles recht schön zu Gunsten der Versicherung. Interessant wird es, wenn Sie daraus Ihren Anspruch erheben. Wenn im Beispiel des Hausrates offensichtlich ist, bei welchem Schadenfall Sie deutlich mehr Geld erhalten, als Sie selbst eingezahlt haben; dann dürfen - nein sollen Sie diesen Anspruch auch bei der Lebens- oder Rentenversicherung erheben.

Wenn Sie das Rentenalter erleben, und 20 oder 30 Jahre eingezahlt haben, welcher Anteil kommt dann von Jenen dazu, die nicht soviel Glück hatten? Akzeptieren Sie nun nicht die Kapitalerträge Ihrer Sparbeiträge. Diese Kapitalerträge haben Sie ja beim Bankprodukt mit vergleichbarer Sicherheit und Kosten auch. Nein, bestehen Sie auf die Effekte der Risikogewinne. Lassen Sie sich nicht die Augen verdecken von den Kosten des Risikoschutzes für die eingeschlossene Hinterbliebenenversorgung oder die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung. Verlangen Sie den klaren Blick, wie das Versicherungsprodukt zu Ihren Gunsten wirkt, wenn Ihr Schadenfall eintritt und Sie das Rentenalter erleben. Bei Rentenversicherungen dann zusätzlich noch den Effekt, wenn Sie sehr lange Leben, also länger als der Durchschnitt.

Doch betrachten Sie die Diskussion in den Medien. Es ist fast immer nur von Garantiezinsen, Rendite und Wertentwicklung die Rede. Ja, die Risikogewinne sind Bestandteil davon. Aber wo ist die klare Forderung hiernach? Die Kostenanteile des Versicherungsvertrages müssen dergestalt sein, dass die Risikogewinne ausreichend attraktiv bei den Versicherten ankommen, nur dann ist das Produkt interessant. In jedem Fall aber ist es kein Spar- bzw. Investmentprodukt und sollte auch hieran nicht gemessen werden.


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