Auswirkungen des LVRG

Veröffentlicht 2014-07-22

Auswirkungen des LVRG auf (Alt-) Policen mit Garantiezins und ohne Förderung – Was ist jetzt bei der Kundenberatung zu beachten?

Mit Inkrafttreten des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) in diesen Tagen ergeben sich einschneidende Veränderungen für rund 60 Millionen kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen mit gesetzlich festgelegtem Garantiezins. Ebenso betroffen vom LVGR sind Neuabschlüsse, jedoch sollen hier die Auswirkungen auf die Renditeentwicklung der Bestandspolicen und die sich daraus ergebenden Beratungsansätze näher beleuchtet werden.

Zunächst sollte man meinen, dass sich mit den Werten zum Rückkaufswert bzw. der Ablaufleistung sowie der Beitragshöhe und der Restlaufzeit bereits erste Aussagen zur „Bruttorendite“ eines Vertrages treffen lassen sollten. Wer aber schon einmal versucht hat, den günstigsten Tarif unter den gängigen Mobilfunkanbietern herauszufinden, der stellt schnell fest, dass es mit der Vergleichbarkeit aufgrund der Vielzahl an Variablen nicht weit her ist.

Dies ist bei der deutschen Assekuranz nicht anders. Wer die Werthaltigkeit einer Lebensversicherungspolice für seinen Kunden näher untersuchen möchte, der sollte sich dem Thema zunächst über die Frage zur Risikoabsicherung nähern:

Wird die Risikoabsicherung noch benötigt und was kostet sie konkret? Die gängigen Verträge bieten eine oder mehrere der folgenden Schutzfunktionen: Absicherung der Kapitalmarktrisiken (Garantie- oder Rechnungszins), Todesfallschutz,Beitragsübernahme und ggf. zusätzlich Rente bei Berufsunfähigkeit,lebenslange Rentenzahlung bei Leibrenten-Verträge

Der erste Fokus liegt somit darauf zu klären, wie gut der Risikoschutz noch zum Bedarf des Kunden passt. Kann der Kunde inzwischen auf den Schutz verzichten? Oder kann dasselbe Schutzniveau anderswo günstiger oder zu vergleichbaren Konditionen abgesichert werden?

Häufig lässt sich der Vorsorgeteil nicht separat kündigen. Besteht dringender Geldbedarf und wird der Risikoschutz weiter benötigt, dann kommt eine Kündigung normalerweise nicht in Frage. Hier kann ein Ankauf-Modell das den Risikoschutz langfristig und planbar aufrecht erhält die richtige Antwort sein (Erste Modelle dieser Art brachte der Policenhändler Partner in Life S.A. im Jahr 2006 auf den deutschen Markt).

Anschließend sollten die aktuellen Werte des Vertrages genau geprüft werden. Aktuelles Datenmaterial anfordern bzw. aktuelle Wertmitteilung einsehen. Das LVRG wird in weiten Teilen per 01.08.2014 in Kraft treten. Viele Versicherer werden ab diesem Termin keine Bewertungsreserven oberhalb der Sockelbeteiligung mehr auszahlen dürfen. Somit ist zu empfehlen, Wertmitteilungen vorzugsweise ab 01.08.2014 zu nutzen, um die Auswirkungen des LVRG auf die Wertentwicklung zu verdeutlichen. Sollten noch Bewertungsreserven oberhalb der Mindestbeteiligung enthalten sein, so sind diese Werte vorsichtshalber vom Rückkaufswert bzw. der Ablaufprognose abzuziehen (Sofern nur ältere Werte zur Verfügung stehen, gilt auch hier: Bewertungsreserven oberhalb der Sockelbeteiligung von Rückkaufswert und/oder Ablaufleistung abziehen).

Die vorliegenden Geschäftsberichte des Jahres 2013 zeigen ein Niveau der Sockel- bzw. Mindestbeteiligung an den Rückkaufswerten und Ablaufleistungen bei durchschnittlich 1,7 Prozent, können bei einzelnen Policen aber schon mal bis zu fünf Prozent ausmachen. Wir gehen davon aus, dass auch diese Sockelbeteiligung ab dem 01.01.2015 größtenteils entfallen werden (wenn auch nicht komplett, denn auch künftig können Bewertungsreserven auf Aktien- und Immobilien ausgeschüttet werden). Aufgrund der neuen Gesetzgebung werden einige Versicherer die Schlussüberschussanteile korrigieren müssen. Daher gilt der Entwicklung der Schlussanteile zum Jahreswechsel ein besonderes Augenmerk.

Verträge mit geringer Restlaufzeit verkraften sinkende variable Anteile schlecht. Verträge die nur noch fünf Jahre oder weniger bis zum Ablauf haben, besitzen zwar meist attraktive Garantiezinsen, sie haben allerdings nur noch wenig Zeit, sich vom Verlust der Bewertungsreserven und der Reduktion weiterer variabler Anteile am Policenguthaben zu erholen. Ein guter Rat ist also, gerade Verträge mit geringer Restlaufzeit bei hoher Sockelbeteiligung bzw. hohem SÜA-Anteil auf den Prüfstand zu stellen.

Auf diese Weise können riskante Verträge erkannt werden. Häufig passt ein hohes Risiko nicht zum Bedarf der Lebensversicherungskunden. Es ist nicht notwendig und auch kaum möglich, die tatsächliche Höhe des Ausfalls in der Zukunft vorherzusagen. Das konkrete Benennen der Risiken ist oft aussagekräftig genug.

Wie eingangs erwähnt, ist es leider nicht ganz einfach, die Wertentwicklung einer Police auf eine einfache allgemeingültige Formel herunterzubrechen. Zwar reichen zunächst einige Werte, um eine erste Indikation zu bekommen - ob diese aber valide ist, läßt sich nur durch eine Einzelfallanalyse unter Einbeziehung der individuellen Tarifkomponenten sowie der Leistungskennzahlen des Versicherungsunternehmens herausfinden.

Differenzieren ist wichtig: Rendite und Stabilität der Vorsorge

Die Fortführungsrendite eines Vertrages zu berechnen könnte mit dem Rückkaufswert und dessen Stichtag (z.B. 10.000 Euro zum 01.09.2014), der Ablaufleistung und deren Termin (z.B. 20.000 Euro zum 01.09.2019) sowie der Beitragshöhe und Zahlweise (z.B. 100 Euro monatlich) grob berechnet werden.

Allerdings ist die Aussagekraft dieser Renditeerwartung nicht allzu groß, wenn nicht weitere Aspekte mit in die Berechnung einbezogen werden. Zum Beispiel sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wieviel kostet die ggf. enthaltene Zusatzversicherung?
  • Gibt es Teilauszahlungen, wenn ja, wann und wieviel jeweils?
  • Wie lange müssen die Beiträge bezahlt werden?<7li>
  • Gibt es Beitragsüberzahlungen?>/li>
  • Sind Rückkaufswert und Ablaufleistung qualitativ vergleichbar (meistens nicht!)?
  • Wie verhält sich der Mindestrückkaufswert zur garantierten Ablaufleistung?
  • Liegt ein Vertrag mit Rentenanwartschaft/Kündigungsrente vor?
  • Wurden bei den Werten Vorauszahlungen/Darlehen/Steuern berücksichtigt/abgezogen?

Wer eine Aussage zur Werthaltigkeit des Vertrages treffen möchte, muss dieses Spiel mit den Zahlen und technischen Begriffen – die leider von Versicherer zu Versicherer abweichen, ja sogar von Jahr zu Jahr bei ein und demselben Vertrag variieren können – beherrschen. So werden nicht selten Fehler und Ungereimtheiten bei den mitgeteilten Werten entdeckt.

Ein Beispiel: Was die Versicherer gerne als garantierte Ablaufleistung bezeichnen ist oft nichts anderes als die aktuelle Versicherungssumme. Diese ist dann um signifikante Werte zu gering. Mancher denkt nun vielleicht: „Niemals, die verkaufen sich doch nicht schlechter als sie müssen“. Aber es fehlen nachweislich in zahlreichen Fällen die zum Zeitpunkt des Rückkaufswertes (Stichtag) bereits dem Vertrag fest zugeschriebenen außerrechnungsmäßigen Zinsen der Vergangenheit. Diese müssen meist mit dem Garantiezins aufgezinst zum Ablauf ebenfalls als Garantie zur Verfügung stehen. Wer nun nur mit der Versicherungssumme rechnet, kündigt möglicherweise einen wertvollen Vertrag (erspart dem Versicherer, anspruchsvolle Garantiezinsen noch für viele Jahre erfüllen zu müssen) und erweist dem Kunden einen Bärendienst.

Darum: Eine gute Beratung wird die oben genannten Aspekte berücksichtigen und den Kunden vor teuren Schäden einer voreiligen Kündigung bewahren. Aber auch vor der teuren Fortführung riskanter, schwacher oder unpassender Verträge.

Der Ankauf oder die Bewertung einer Police durch einen erfahrenen und seriösen Policenkäufer ist eine Alternative für Makler und Honorarberater. Hier übernehmen Spezialisten mit langjähriger Erfahrung die Bewertung der Policen und stellen alle Werte auf den Prüfstand.

Doch Vorsicht! Wenden Sie sich nur an einen etablierten, erfahrenen und seriösen Käufer. Der BVZL hilft Maklern und Honorarberatern dabei, an die richtige Adresse zu gelangen.


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