Kein Grund zur Panik – aber viele Gründe die zur Vorsicht mahnen!

Veröffentlicht 2015-05-11

Beispiele einiger aktueller Medienberichte:

  • Zeitschrift für Versicherungswesen: „Ruhe vor dem Sturm"
  • ASS-Compact: „LV-Garantien könnten zur Gefahr für gesamten Finanzsektor werden“
  • Bild.de: „Mini-Zinsen ruinieren Versicherer"
  • IWF: „Ein Viertel der Versicherer könnten nicht das geforderte Mindestkapital vorhalten“

Exemplarisch haben wir aus der Vielzahl der aktuellen Meldungen damit vier herausgegriffen, die alle dasselbe Lied singen. Der sensible Leser dieser Artikel mag eine zusätzliche und berechtigte Motivation erlangen, sich von seiner Police zu trennen um das aktuelle Guthaben zu retten.

Diese Frage trifft uns, die wir nicht nur gebrauchte Policen ankaufen, sondern auch Gelder in mehrfacher Millionenhöhe hierin investiert haben, in besonderer Weise. Daher nehmen wir hier Stellung:

Die Sache ist ernst!

Wie bereits mehrfach in unserem Blog beschrieben, stellt sich die Sachlage für die Deutschen und Österreichischen Lebensversicherer – aber auch für die Britischen, als durchaus ernst und angespannt dar. Ohne bereits oft Gesagtes und Geschriebenes hier ein weiteres Mal zu wiederholen, verweisen wir auf unsere diversen Blog-Beiträge und die Aussagen von Herrn Prof. Dr. Kurt Wolfsdorfer (Vorstandsmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung) wie sie im Artikel der „Zeitschrift für Versicherungswesen 04/2015 nachzulesen sind.

Weil das so ist, müssen auch wir uns Jahr für Jahr von Verträgen trennen, die nicht mehr ausreichend Sicherheit und Stabilität signalisieren. Weil wir das eben auch so sehen, können wir bei Weitem nicht alle Verträge die uns angeboten werden ankaufen. Häufig besitzt ein Vertrag einen wirtschaftlichen Wert unter dem Rückkaufswert, weshalb ein Versicherungskunde im Bedarfsfall mit der Kündigung auch manchmal den besten Wert erreicht.

Richtig ist auch, dass wir heute Reduktionen und Ausfälle ins Auge fassen müssen, die vor zwei Jahren noch undenkbar waren. Schlussanteile im Altbestand, ja selbst die Punktuelle Reduktion von Garantien geraten in die Diskussion. Im vorgenannten Artikel geht es sogar weitreichend um branchenweite Garantiesenkungen. Hier gesellen sich dann auch Fragen hinsichtlich Besitzstandswahrung, Enteignung und rechtliche Durchsetzbarkeit, sowie die volkswirtschaftliche Bedeutung der privaten Altersvorsorge hinzu.

Wer hatte dem wurde genommen – das LVRG hat viel Entlastung gebracht

Wir beobachten Monat für Monat die Entwicklung in der LV-Assekuranz, und natürlich die Wirkung auf jeden einzelnen Vertrag den wir zum Kauf angeboten bekommen oder bereits besitzen. Verträge die durch lange Laufzeiten und ihre attraktive Entwicklung unterwegs hohe Bewertungsreserven aufgesammelt hatten, konnten und haben diese Ansprüche durch das LVRG zum allergrößten Teil verloren.

Die Grafik oben zeigt einen repräsentativen Vertrag, den wir – wie tausende andere Verträge auch - sieben Jahre lange exakt mit seinen Wertbestandteilen verfolgt haben. Schön ist am gewählten Beispiel, dass der Versicherer hier bereit war, die Bestandteile des Guthabens offen zu nennen – was leider nicht jede Versicherungsgesellschaft so transparent tut. Nur weil es ein Versicherer nicht zeigt, fällt deshalb die Kürzung oder Umverteilung nicht geringer aus. Insgesamt beobachten wir in der gesamten Branche – wie von uns angekündigt – die fast vollständige Streichung der Bewertungsreserven.

Übrig bleiben aber noch weitere variable und damit kürzbare Anteile. Insbesondere Schlussanteile bzw. Schlussboni bestehen noch. Teilweise finden wir diese Werte auch als „Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven“ ausgewiesen. Ob, wann und in welchem Umfang hier der Rotstift angesetzt wird, lässt sich nicht so exakt vorhersehen, wie es im Hinblick auf das LVRG möglich war.

Für viele Versicherte hat das LVRG eine Verschnaufpause gebracht. Die Versicherer wurden entlastet, eine neuerliche Kürzung steht dort nicht unmittelbar bevor. Bleibt die Niedrigzinsphase jedoch weiter bestehen, wird es auch bei diesen Unternehmen und Verträgen weiter gehen. Andere Versicherer zeigen jedoch auch direkt nach dem LVRG Bilanzkennzahlen die es einem schwer machen an eben diese Verschnaufpause zu glauben.

Nicht verunsichern lassen, nicht kündigen – prüfen (lassen) ist das Gebot der Stunde!

Vor dem LVRG haben viele Finanzberater und Experten an wirklich negative Wertentwicklungen nicht geglaubt. Auf breiter Front vernahmen wir Aussagen wie „Aber 0,5 % Rendite ist doch heute immer noch gut, was besseres kann ich meinem Kunden nicht bieten!“. Und recht haben die Experten dort, wo es 0,5 % und mehr aus der Lebensversicherung zu erwarten gibt. Viele Verträge haben das vor dem LVRG gezeigt und signalisieren es auch heute noch.

Gleichwohl zeigen etliche Belege, dass es eben auch weit weniger als 0,5 % Rendite sein können. Kein Grund zur Panik! Auch wir kündigen jetzt nicht alle Verträge. Im Gegenteil, wir kaufen weiter mit Freude Verträge an. Deutlich mehr als noch im Jahr 2014, denn immerhin sind ja mit den Bewertungsreserven ein großer Teil der Risiken verschwunden.

Fazit

Entscheidend ist es, mehr denn je, die Verträge prüfen zu lassen. Ihre Kunden werden viele wertvolle und hochattraktive Verträge wiederentdecken, aber auch den ein oder anderen Vertrag sehen, der keineswegs so sicher und stabil ist wie gedacht. Ein kritischer Blick durch einen LV-Experten (Verbraucherzentralen, wir selber, versierte Versicherungs-Spezialisten) hilft die Spreu vom Weizen zu trennen.

Kein Grund zur Panik, aber guter Grund für Achtsamkeit – vor allem wenn der Vertrag nur noch 8 Jahre und weniger Laufzeit besitzt! Hier ist die Antwort auf die Frage: „Was mache ich mit meiner Police?“…
» Lebensversicherung bewerten lassen

Hier geht´s zum Artikel von Bild.de
» Mini-Zinsen ruinieren die Versicherer

Hier geht´s zum Artikel von asscompact
» Garantien der Lebensversicherer könnten zur Gefahr für das Finanzsystem werden


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